Freitag, 8. Juni 2018 | 05:46

Arbeit ist eine Tätigkeit, kein Ort

Menschliches Verhalten verstehen, messen und managen – einer von vielen wertvollen Impulsen, die den Ostschweizer Personaltag prägten.

Die fünf Referenten, darunter die oberste Personalchefin des Bundes, begeisterten durch ihre Standpunkte und Aussagen.
Die fünf Referenten, darunter die oberste Personalchefin des Bundes, begeisterten durch ihre Standpunkte und Aussagen.

Den Auftakt zum wichtigsten Treffpunkt der Ostschweizer Personalleiter-Tagung machte Abdullah Redzepi von der Fachhochschule St. Gallen. Er plädierte für eine Veränderung der Personalführung auf Grund der Veränderung der Arbeitswelt durch den technischen Fortschritt. Verschiedene Lebenswelten, orts- und zeitunabhängiges Arbeiten und digitale Transformation würden Geschäftsmodelle tiefgreifend verändern und neue Anforderungen an Führungskräfte im Personalwesen stellen. Dies verursache auch Angst. 

 

Verhaltensänderungen wirksam anstossen

Auf diese Veränderungen ging Andreas Staub ein, Managing Partner bei FehrAdvice & Partners. Er sprach sich dafür aus, den Menschen wieder an erster Stelle zu sehen, also «human first». Die Herausforderung dabei sei, dass diese Kultur die Unternehmensstrategie einschränke. Daher müsse man menschliches Verhalten in der neuen Arbeitswelt zuerst verstehen, dann messen und schliesslich managen. Staub zeigte dies eindrücklich mit spielerischen Mitteln auf und liess die Teilnehmenden über ein Voting-System mitwirken.

 

Verwaltung 4.0 - mutig in die Zukunft

Als oberste Personalverantwortliche eines Betriebes mit 37'000 Angestellten zeigte Barbara Schaerer auf, wie die Verwaltung 4.0 organisiert werden müsse. Herausforderungen auf diesem Weg seien unter anderem die stark normenbasierte Verwaltung, die Dreistufigkeit mit Bund, Kantonen und Gemeinden, die departementale Struktur der Bundesverwaltung und die Zeit, die es für die Konsensfindung brauche. Für die Personalstrategie 2020-2023 heisse dies: neue Führungsgrundsätze und Werte definieren, Personalentwicklung neu ausrichten, Prozesse standardisieren und digitalisieren, sowie neue Arbeitswelten schaffen. Mit vielen Beispielen zeigte Schaerer auf, wie die Rolle des HR in diesen neuen Arbeitswelten auch neu definiert werden kann.

 

Räume, Experimente, Hypothesen

Die ehemalige Microsoft-Managerin und heutige Bloggerin und Unternehmerin Barbara Josef faszinierte die Teilnehmenden vor allem durch ihre pointierten Aussagen zu neuen Arbeitsstätten und ihre Hypothesen zum Experiment des Coworking - aus positiver und negativer Sicht. Aufgrund der Herausforderungen müsse man in der Personalführung auch experimentieren: Substitution, Augmentation, Modifikation und Redefinition sind dabei ihre Zauberworte im Zusammenspiel der Arbeitsszenarien. 

 

Potenzial entfesseln

Was in den Köpfen der Mitarbeitenden vorgeht, beantwortete Tobias Heinemann, Mentalist, Autor und Entertainer, indem er einen faszinierenden Einblick in die menschliche Psyche gewährte. Bei seinem Auftritt ermutigte er die Teilnehmenden, sich an ihre mentalen Grenzen zu wagen, und zeigte mit zahlreichen praktischen Übungen auf, wie das genau funktioniert. So könne man Gedächtnis, Wahrnehmung und Intuition ganz einfach im Alltag trainieren - und es sei sogar möglich, dadurch die Gedanken anderer zu lesen. 

 

Schlussfeuerwerk an Ideen

Zu einem eigentlichen Schlussfeuerwerk an Impulsen, Ideen und Vorschlägen setzte Nicole Brandes an. Sie blickt auf rund zwei Jahrzehnte internationale Management-Erfahrung in verschiedenen renommierten Unternehmen zurück. Von jeher beschäftigt sie sich mit den Herausforderungen, die Führungskräfte in einem immer komplexer werdenden Umfeld meistern müssen - und damit, wie ihnen das mit neuen Skills, agilen Organisationsformen und identitätsstiftendem Sinn gelingen kann. Weil gerade durch die Digitalisierung die Frage nach dem «Warum» immer häufiger gestellt werde, müsse die (Personal-)Führung in Zukunft sinn- und wertezentrierter erfolgen. Und statt «problemgetrieben» zu sein, müsse man «zukunftsbezogen» werden und das Undenkbare denken lernen. Wenn die gegenwärtige Wettbewerbsfähigkeit auf Stabilität basiere, müsse man bedenken, dass im Hinblick auf die künftige Wettbewerbsfähigkeit vor allem Störungen auftreten würden.

 

Inspiration und Führung

Für die Führung durch den Tag war wiederum Matthias Wipf besorgt, der es einmal mehr verstand, die Referentinnen und Referenten mit herausfordernden Fragen aus der Reserve zu locken. An der Präsidentin der Freien ERFA-Gruppe Personal Ostschweiz, Karin Egle, lag es dann, diesen vielschichtigen, wertvollen Impuls-Nachmittag zu beschliessen und sich bei allen Beteiligten zu bedanken.


14. Ostschweizer Personaltag



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