Donnerstag, 23. November 2017 | 10:16

Arbeitgeber, Ärzte und Bund lancieren erstmals gemeinsames Instrument zur beruflichen Eingliederung

Die missglückte berufliche Eingliederung von erkrankten, verunfallten oder handicapierten Mitarbeitenden hat schwerwiegende Folgen für Arbeitnehmer wie Arbeitgeber.

Ressourcenorientiertes Eingliederungsprofil REP – in vier Schritten zum Erfolg. (Foto: Pixabay)
Ressourcenorientiertes Eingliederungsprofil REP – in vier Schritten zum Erfolg. (Foto: Pixabay)

Compasso hat in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Sozialversicherungen BSV, dem Schweizerischen Arbeitgeberverband SAV und Ärztevereinigungen ein neues Instrument entwickelt, um damit die Eingliederungsrate weiter zu erhöhen: entstanden ist das webbasierte ressourcenorientierte Eingliederungsprofil REP, das sich am spezifischen Arbeitsumfeld orientiert und erstmals auch psychosoziale Aspekte berücksichtigt. Arbeitgeber und Ärzteschaft setzen künftig auf dieses neue Instrument.

 

In der Schweiz konnten in den letzten fünf Jahren dank dem gemeinsamen Engagement von IV, Arbeitgebern und weiteren Partnern alleine 94'000 Menschen mit gesundheitlicher Beeinträchtigung ihren Arbeitsplatz behalten oder einen neuen finden. Die Partner wollen dieses Engagement in Zukunft weiter verstärken. Entscheidend für eine Rückkehr an den bisherigen oder an einen angepassten Arbeitsplatz ist die frühe Kommunikation zwischen Betroffenen, Arbeitgebern und Ärzten. In 80 Prozent der Fälle wird im heutigen Arztzeugnis eine Arbeitsunfähigkeit von 0% oder 100% bescheinigt, eine Teilarbeitsunfähigkeit wird oft gar nicht in Erwägung gezogen. «Während Arbeitgeber möglichst transparente Informationen über die Rückkehr des Mitarbeitenden erwarten, fehlen den behandelnden Ärzten für die Festlegung der mindestens teilweise verfügbaren Arbeitsfähigkeit oft die notwendigen Kenntnisse über Anforderungen und Rahmenbedingungen am Arbeitsplatz des Patienten», sagt Martin Kaiser, Präsident von Compasso. Dies hat schwerwiegende Folgen: Je länger ein Arbeitnehmer weg ist, umso unwahrscheinlicher wird eine Rückkehr an den Arbeitsplatz.

 

Dies soll sich nun grundlegend ändern: Arbeitgeber, Ärzteschaft und Bund haben unter der Federführung von Compasso das ressourcenorientierte Eingliederungsprofil REP entwickelt. Erstmals steht damit ein webbasiertes Instrument zur Verfügung, welches aufzeigen kann, wie und in welchem Ausmass Betroffene möglichst rasch wieder im Betrieb arbeiten können.

 

Ressourcenorientiertes Eingliederungsprofil REP - in vier Schritten zum Erfolg

Als Basis des webbasierten ressourcenorientierten Eingliederungsprofils halten die Arbeitgeber online die Arbeitsplatzanforderungen fest. So entsteht ein detailliertes Eingliederungsprofil, das durch den Arbeitgeber und den Arbeitnehmer unterzeichnet wird. Dieses Eingliederungsprofil nimmt der Mitarbeitende zum nächsten Arztbesuch mit. Die Ärztin bzw. der Arzt beurteilt dann, inwieweit es seiner Patientin oder seinem Patienten möglich ist, die Anforderungen zu erfüllen bzw. unter welchen Bedingungen und in welchem Ausmass eine Tätigkeit im Betrieb möglich ist. Durch diesen neuartigen Austausch zwischen Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Ärzteschaft kann die Leistungsfähigkeit des Mitarbeitenden so präzise eruiert werden, dass zusätzliche Möglichkeiten der beruflichen Eingliederung entstehen.

 

Pierre Vallon, Präsident Schweizerische Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (SGPP) und Vertreter der FMH bei Compasso: «Das neue Instrument bringt Eingliederungsorientierung zu den Haus- und Fachärzten. Zudem werden erstmals die wichtigen psychosozialen Aspekte wie etwa Aufmerksamkeit und Ausdauer berücksichtigt.» Der Arzt erhält somit die Möglichkeit, wichtige Hinweise anzubringen, die für eine erfolgreiche Eingliederung zu beachten sind. Der Arbeitnehmer profitiert, weil er so möglichst rasch wieder ins Berufsleben integriert wird. Dies entspricht auch der Zielsetzung des Bundes, sagt Stefan Ritler, Leiter Geschäftsfeld Invalidenversicherung beim BSV: «Eine Verstärkung der Zusammenarbeit mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten nimmt bei der Weiterentwicklung der IV eine zentrale Rolle ein. Das neue ressourcenorientierte Eingliederungsprofil REP ist ein Instrument, das die Verbesserung der Zusammenarbeit und den Arbeitsplatzerhalt massgeblich unterstützt.»

 

Arbeitgeber wollen neues Instrument breit einführen - SBB plant Einsatz im Tessin bereits ab Januar 2018

Für die Wirtschaft ist der verstärkte Austausch zwischen Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Ärzten zentral. Für Roland Müller, Direktor Schweizerischer Arbeitgeberverband, stellt das neue Instrument REP darum einen Meilenstein dar: «Für die Arbeitgeber wird es mit dem neuen Tool wesentlich einfacher, ihre erkrankten oder verunfallten Mitarbeiter gezielter wieder an den Arbeitsplatz zurück zu führen und sie so auch nachhaltig wieder zu integrieren. Ein nicht zu unterschätzender Erfolgsfaktor im Kampf gegen den wachsenden Fachkräftemangel.» Das ressourcenorientierte Eingliederungsprofil REP wird darum von der Wirtschaft breit unterstützt und ab sofort flächendeckend zur Anwendung empfohlen: Die SBB beispielsweise plant bereits ab Januar 2018 den Einsatz des Instruments bei der beruflichen Eingliederung von erkrankten und verunfallten Mitarbeitenden im Tessin.


Compasso



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