Dienstag, 4. September 2018 | 08:35

Die Bedeutung des betrieblichen Gesundheitsmanagements wird weiter steigen

Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) wirkt.

Ein gesundes Unternehmen ist doppelt so erfolgreich. Photo by <a href="https://www.flickr.com/photos/nationalrural/1093974808/">nationalrural</a> on <a href="https://foter.com/">Foter.com</a> / <a href="http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC BY</a>
Ein gesundes Unternehmen ist doppelt so erfolgreich. Photo by nationalrural on Foter.com / CC BY

Anders lässt sich die zunehmende Umsetzung von systematischen Gesundheitsmassnahmen in Schweizer Unternehmen nicht erklären. An der fünfzehnten nationalen Tagung für betriebliches Gesundheitsmanagement von Gesundheitsförderung Schweiz wurde aufgezeigt, wie diese Wirkung im Betrieb genutzt werden kann und welche Bedeutung die aktuelle politische Debatte über die Arbeitsflexibilisierung für BGM hat.

 

Vor einigen Jahren war BGM für kaum jemanden ein Begriff - mittlerweile setzen immer mehr grosse Unternehmen und zunehmend auch KMU auf gesundheitsfördernde Massnahmen im Arbeitsalltag. Doch wie können Unternehmen BGM-Massnahmen wirkungsvoll umsetzen? Und wie können Betriebe mit einfachen Mitteln und einem vernünftigen Aufwand die Wirkung feststellen?

 

Mit diesen und zahlreichen weiterführenden Fragen beschäftigten sich die über 600 Teilnehmenden an der fünfzehnten nationalen Tagung für betriebliches Gesundheitsmanagement von Gesundheitsförderung Schweiz am 22. August 2018 an der Universität Zürich. Von besonderer Brisanz war der Politik-Talk, an dem Meinungen zu den aktuellen politischen Debatten im Parlament in Bezug auf die Anpassung des Arbeitsgesetzes und einer allfälligen Flexibilisierung der Arbeitszeiten ausgetauscht wurden.

 

Ein gesundes Unternehmen ist doppelt so erfolgreich

Im ersten Teil der Tagung ging es um die Wirkung von BGM. Prof. Dr. Thomas Mattig, Direktor von Gesundheitsförderung Schweiz, ging in seiner Eröffnungsrede auf die Vorteile von BGM ein: «Unternehmen, die BGM systematisch einsetzen, profitieren von Wettbewerbsvorteilen sowie einem besseren Renommee bei der Rekrutierung von Fach- und Führungskräften.» Die Wirkung von BGM ausschliesslich in Zahlen auszudrücken sei sehr schwierig, denn schliesslich zielen die Massnahmen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen. Das Ziel müsse jedoch sein, Unternehmen dazu zu bewegen, sich zu gemeinsamen BGM-Standards zu verpflichten.

 

Auch Dr. Gregor Jenny, der an der Universität Zürich zum Thema BGM forscht, verwies darauf, dass bei der Messung von BGM die Reduktion des Menschen auf Zahlen und Algorithmen zu kurz greife. «Die gemessenen Fakten müssen Teil einer Erzählung zu BGM sein, die Aufmerksamkeit weckt und sich im Betrieb verbreitet. Eine gesunde Organisation hat doppelt so hohe Chancen, ihre Konkurrenten am Markt zu übertreffen», erklärte Jenny.

 

Dr. Urban Studer von der SBB zeigte anschliessend auf, wie das Schweizer Grossunternehmen in den letzten zehn Jahren BGM eingeführt hat und welche Vorteile sich daraus ergeben. Anhand von konkreten Kennzahlen erörterte er, wie sich das Engagement für die SBB auch in Franken auszahlt. Dabei machte er darauf aufmerksam, dass die Auswertung von solchen Zahlen sehr genau auf die Unternehmenskultur ausgerichtet sein muss und von sehr vielen Faktoren abhängig ist. So zeigte er etwa auf, dass die Anzahl Fehltage pro Vollzeitstelle in den letzten zehn Jahren bei der SBB leicht rückläufig war. Wenn man diese Entwicklung jedoch der demografischen Entwicklung der Mitarbeitenden (zunehmendes Durchschnittsalter) gegenüberstellt, sieht man, dass BGM-Massnahmen noch viel grössere positive Auswirkungen auf die Anzahl Fehltage hatten.

 

Mehr Selbstbestimmung bei den Arbeitszeiten gefordert

Der Nachmittag stand ganz im Zeichen des Themas Selbstbestimmung. Zuerst präsentierte Gerhard Andrey, Mitgründer und Partner der Liip AG und Vizepräsident der Grünen Schweiz, wie sein Unternehmen mit einer flexiblen Organisationsstruktur und dezentralisierter Autorität umgeht und welche Vorteile sich daraus für die Zufriedenheit und Gesundheit der Mitarbeitenden ergeben. Danach folgte der Politik-Talk mit Erich Ettlin (Ständerat CVP/OW), Prof. Katharina Prelicz-Huber (Präsidentin des Verbands Personal öffentlicher Dienste), Prof. Andreas Krause (Professor und Dozent für angewandte Psychologie, Fachhochschule Nordwestschweiz) und Gerhard Andrey, moderiert von Marina Villa.

 

Die Teilnehmenden diskutierten angeregt über die zwei parlamentarischen Initiativen zur Anpassung des Arbeitsgesetzes von Graber und Keller-Sutter, die in Kürze in die Vernehmlassung gehen. Dabei ging es neben Sinn und Unsinn des Aufschreibens der Arbeitszeit unter anderem auch um Wochenendarbeit, Ruhezeiten und Flexibilität. Einig waren sich alle Diskutierenden beim Thema Selbstbestimmung: Jeder Arbeitnehmende sollte flexibel sein und die Arbeitszeiten bewusst wählen können. Darüber, ob die Anpassungen am Arbeitsgesetz die Selbstbestimmung fördern oder sie behindern, wurde man sich allerdings nicht einig. Alle Teilnehmenden der Diskussionsrunde waren jedoch der Meinung, dass bei einer allfälligen Umsetzung das Thema BGM eine noch wichtigere Rolle spielen wird und sich Unternehmen künftig noch intensiver damit auseinandersetzen müssen.


Gesundheitsförderung Schweiz



Leserkommentare






Ihre Kommentare werden regelmässig geprüft. Beleidigende, rassistische, nicht in Schriftsprache verfasste oder nicht sachbezogene Beiträge werden gelöscht.

No comments

Persorama ePaper-Archiv

Mit dem Persorama ePapier-Archiv holen Sie sich die Persorama Ausgaben digital auf den Bildschirm zum blättern, suchen, abspeichern.

Infoletter

Melden Sie sich bei unserem Infoletter an