Donnerstag, 5. Oktober 2017 | 14:07

Gesamtdirektvergütungshöhe der SLI-Unternehmen liegt unterhalb des europäischen Niveaus

Im vergangenen Jahr verdienten die CEOs der 100 grössten Unternehmen Europas im Median mit EUR 5.4 Mio. rund 6% weniger als 2015.

Gesamtdirektvergütung 2016 im Ländervergleich (Foto: Willis Towers Watson)
Gesamtdirektvergütung 2016 im Ländervergleich (Foto: Willis Towers Watson)

Gemessen am Median bekamen die höchsten Gesamtdirektvergütungen die Top-Manager in der Schweiz, gefolgt von Grossbritannien und Spanien. Das geht aus der Studie «CEO pay landscape in the Eurotop 100» von Willis Towers Watson hervor.

 

In ihrer Studie «CEO pay landscape in the Eurotop 100» untersucht Willis Towers Watson jährlich, welche Gesamtdirektvergütungen die CEOs der 100 grössten Unternehmen Europas für das letzte Geschäftsjahr erhalten haben. Zusätzlich wurden die Gesamtdirektvergütungen der Schweizer SLI-Unternehmen und Einflussfaktoren auf die Vergütungshöhen analysiert. Die Ergebnisse kurz zusammengefasst:


  • Die CEOs der Schweizer SLI-Unternehmen verdienten 2016 im Median rund 12% mehr gegenüber dem Vorjahr.
  • Damit liegt deren Gesamtdirektvergütungshöhe im Median 18% unter dem Niveau der europäischen Top-Unternehmen.
  • Die Auswirkungen der europäischen Aktionärsrichtlinie (SRD) werden für die Schweiz als niedrig eingeschätzt.
  • Der Einfluss von Abstimmungsberatern (Proxy Advisors) ist in der Schweiz niedriger als in anderen europäischen Ländern.

 

Fixgehälter kaum gestiegen, Boni stark gesunken

«Während die Grundgehälter und auch die Höhen der gewährten langfristig variablen Vergütung der CEOs der europäischen Top-Unternehmen stabil blieben, sind die ausbezahlten Boni für das Jahr 2016 zurückgegangen. Verantwortlich dafür sind einerseits rückläufige Unternehmensergebnisse, andererseits natürliche Änderungen der Datengrundlage», sagt Olaf Lang, Managing Director bei Willis Towers Watson. Die für 2016 ausgezahlten Boni erreichten europaweit im Median nur noch 126% des Fixgehalts (Vorjahr: 144%).

 

Zu den grössten 100 europäischen Top-Unternehmen gehören elf in der Schweiz ansässige Firmen; drei von ihnen gehören nach Marktkapitalisierung zu den Top 5 in Europa. Im europäischen Vergleich wurden die höchsten Gesamtdirektvergütungen gemäss der Median-Auswertung unter den Schweizer CEOs gezahlt (EUR 10,29 Mio.), gefolgt von UK (EUR 7,44 Mio.) und Spanien mit (EUR 5,63 Mio.). Während die CEOs der Schweizer Eurotop-Unternehmen den Spitzenplatz belegen, liegt der Median der CEOs der ausgewerteten SLI-Unternehmen mit EUR 4,4 Mio. 18% unterhalb des europäischen Niveaus.

 

CEO von UBS europaweit auf dem 3. Platz

Die höchste Gesamtdirektvergütung unter den Eurotop 100 erreichte mit EUR 14,4 Mio. Rakesh Kapoor von Reckitt Benckiser, einem britischen Konsumgüterhersteller. Es folgen die CEOs des britischen Medienunternehmens WPP (EUR 13,3 Mio.) und der Schweizer UBS Group (EUR 12,3 Mio.). 

 

In folgenden Branchen wurden im Median die höchsten Gesamtdirektvergütungen erreicht: Auf dem 1. Platz rangieren die Top-Manager der Pharmabranche (EUR 7,7 Mio. Gesamtvergütung im Median), ihnen folgen die CEOs der Konsumgüterhersteller (EUR 7,3 Mio.) und der Energiebranche (EUR 5,6 Mio.).

 

Schweizer mit verhältnismässig geringsten Grundgehältern

Der Anteil der fixen Vergütung ist unter den Schweizer CEOs der Eurotop-Unternehmen mit 25% am niedrigsten. «Die höchsten Gesamtdirektvergütungen korrelieren mit den niedrigsten Grundgehältern wie in der Schweiz und Grossbritannien. Hier haben Top-Manager weniger Garantie, aber durch die hohen variablen Anteile auch grössere Chancen auf ein Spitzengehalt», sagt Olaf Lang. 

 

Hohe Gesamtdirektvergütungen bestehen in der Regel zu mindestens zwei Dritteln aus variablen Bestandteilen. Der Anteil der gewährten Long-Term-Incentive-Pläne (LTI) ist mit 46% unter den britischen CEOs am höchsten. Dagegen wird in Skandinavien deutlich mehr Gewicht auf die feste Vergütung gelegt (59%). Auf der anderen Seite müssen dort viele CEOs eigenes Geld in die Hand nehmen, um an den LTI-Plänen partizipieren zu können.

 

In vielen der europäischen Top-Unternehmen wie auch in der Schweiz werden Teile der Bonusauszahlungen erst aufgeschoben ausbezahlt. Auch diese Vergütungskomponenten tragen zur nachhaltigen Ausgestaltung der Vergütung bei.

 

Kaum Änderungen durch europäische Aktionärsrechterichtlinie

Während in der EU die neue Aktionärsrechterichtlinie (SRD) einen frischen Wind in das Thema Offenlegung und Abstimmung der Aktionäre rund um die Vorstandsvergütung bringt, wird der Einfluss der bis im Juni 2019 umzusetzenden Richtlinie in der Schweiz als niedrig eingeschätzt. «Wir empfehlen Schweizer Unternehmen dennoch, sich rechtzeitig mit den neuen Anforderungen auseinander zu setzen und die jetzige Praxis zu überprüfen, um gewappnet zu sein», sagt Annu Walth, Senior Consultant bei Willis Towers Watson. 

 

Die Studie untersuchte neben der Gesamtdirektvergütung auch die Einbindung der Aktionäre zu Vergütungsfragen und den Einfluss von Abstimmungsberatern (Proxy Advisors). Während Aktionäre in anderen Ländern bindende Voten zur Vergütungspolitik oder gar zur auszuzahlenden Vergütung abgeben, wird in der Schweiz jährlich über die Gesamtvergütung der Geschäftsleitung votiert. Abstimmungen zum Vergütungsbericht sind lediglich freiwillig durchzuführen und nicht bindend.


Willis Towers Watson



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