Montag, 7. Mai 2018 | 09:16

Grosse Schweizer Universum-Talentstudie unter Studenten 2018

Junge Informatiker fordern die höchsten Löhne, möchten jedoch auch Sicherheit und Stabilität.

Junge Informatiker wollen ein gutes Salär und Sicherheit, Wirtschaftswissenschaftler Führung.
Junge Informatiker wollen ein gutes Salär und Sicherheit, Wirtschaftswissenschaftler Führung.

Wirtschaftswissenschaftler wollen nach Studienabschluss ins Ausland und Mediziner verlangen Weiterbildungsmöglichkeiten vom Arbeitgeber. Schweizer Firmen sind beliebte Arbeitgeber, jedoch kämpfen sie gegen junge, agile Firmen. ABB, Baloise, Bühler und Credit Suisse sind entweder schon ganz oben oder auf gutem Weg. Wir zeigen warum. Diese und viele weitere Erkenntnisse über Schweizer Studenten, deren Karriereziele und Präferenzen für bestimmte Arbeitgeber enthüllt die aktuellste Schweizer Universum Talentstudie unter knapp 11'000 Studierenden der Schweiz.

 

Informatiker sind teuer

Informatiker wissen, wie begehrt sie sind. Lohnerwartungen liegen bei Informatik-Studenten deutlich am höchsten im Vergleich zu anderen Studienrichtungen. Sie fordern durchschnittlich 81'778 CHF pro Jahr. Wenn Sie AI Wissen haben, dann steigen die Lohnerwartungen exponentiell. Wenn Sie zusätzlich noch Führungserfahrung haben, dann können sie fast verlangen, was sie wollen. Weil alle dahin möchten, bieten Firmen wie Google und Facebook im Silicon Valley ihren Mitarbeitern Kurse in künstlicher Intelligenz und hoffen so, ihre Arbeitnehmer länger zu binden. Solche Initiativen ziehen auch neue Talente an. Erfolgreiche Schweizer Start-ups haben dies erkannt. Viele bieten Weiterbildungsmöglichkeiten, flexible Arbeitszeiten aber auch anständige Löhne, um die besten Talente anzuziehen und zu binden.

 

Junge Wirtschaftswissenschaftler fordern 75'553 CHF pro Jahr (also 6'225 weniger als die Informatiker), die Studenten der Ingenieurswissenschaften liegen mit der Lohnforderung von 77'282 CHF dazwischen. Am tiefsten sind im Vergleich dieser drei Studienrichtungen die Lohnerwartungen von weiblichen Wirtschaftsstudenten (72'023 CHF pro Jahr).  Die Techniker haben die Wirtschaftswissenschaftler also um einiges überholt. Ist es also nur noch Klischee, dass Banker so viel verdienen? Durch die Digitalisierung, AI, VR, etc. sind technische Talente so gefragt, dass sie auch am meisten Lohn erhalten. 

 

Frauen fordern bereits bei Studienabschluss weniger

Lohnunterschiede zwischen weiblichen und männlichen Studierenden betragen bei Studenten der Ingenieurswissenschaften jährlich ganze 9'458 CHF, bei Wirtschaftswissenschaftsstudenten 7'656 CHF und bei IT-Studenten 7'211 CHF. Dass die Schere bei den Lohnerwartungen von Frauen und Männern bereits bei Arbeitseintritt so gross ist, erstaunt und wirft Fragen auf. Studentinnen fordern schon vor Arbeitsantritt viel weniger Geld. Mit den Jahren wird dieser Lohnunterschied noch grösser.

 

Frauen sind Harmonizer, Männer hingegen sind Careerists und Hunter

Besonders bei Studierenden technischer Fächer gehören viel mehr Frauen dem Karriereprofil der Harmonizer an als Männer: 15% Ingenieurinnen und 7% Ingenieure sowie 13% Informatikerinnen und 6% Informatiker. Harmonizer nehmen im Laufe der Karriere zu. Bei Berufstätigen (mit akademischem Hintergrund) sind 21% der arbeitenden Frauen und 13% der arbeitenden in der Schweiz Harmonizer.

 

Bei Männern ist das Profil der Careerists und Hunter am häufigsten vertreten. Besonders bei den Wirtschaftswissenschaftlern. Das macht auch Sinn, denn da sind viele Consultants und Sales-Kräfte darunter.  19% aller Wirtschaftsstudenten sind Careerists und nur 8% aller Wirtschaftsstudentinnen. Genau gleich auch bei den Huntern: 19% aller Wirtschaftsstudenten sind Hunter und nur 8% aller Wirtschaftsstudentinnen.

 

Informatiker wollen Sicherheit und Stabilität, Wirtschaftswissenschaftler eine internationale Karriere

Die Karriereziele (langfristige Wünsche von Studierenden) zeigen, dass viele junge IT-ler langfristig gar nicht so an Führungspositionen interessiert sind. Nur 26% meinen, dass sie langfristig Führungsaufgaben übernehmen möchten. Mehr junge IT-ler möchten Sicherheit und Stabilität im Job (36%). Bei den Wirtschaftsstudenten möchten weitaus mehr (42%) Führungsaufgaben in Zukunft übernehmen während Sicherheit im Job für weniger Wirtschaftsstudis Priorität hat (30%). Generell, bei allen Studienrichtungen wird im Verlauf der Karriere und mit zunehmendem Alter Sicherheit und Stabilität im Job wichtiger. Auch wenn Arbeitnehmer heute nicht mehr so lange beim selben Arbeitgeber bleiben, so wird wenn Familie und Haus vorhanden sind, Stabilität wichtiger.

 

37% der Schweizer Wirtschaftsstudenten sind auch an einer internationalen Karriere interessiert während nur 17% der Schweizer Informatikstudenten daran interessiert sind, jenseits der Landesgrenze zu arbeiten. Letzteres sind gute Nachrichten für Schweizer Firmen, denn Informatiker sind sehr hart umkämpft.

 

Ökonomen möchten führen, Mediziner möchten sich weiterbilden

Wirtschaftsstudenten achten auch kurzfristig, also bei der Wahl des Arbeitgebers insbesondere darauf, dass ihre Chefs Führungskräfte sind, welche die Entwicklung der Talente fördern. (Wurde genannt von 51% der befragten Wirtschaftsstudenten). Weiter ist ihnen wichtig, dass sie eine gute Referenz für ihre zukünftige Karriere haben (auch 51%) sowie dass sie Aussicht haben, in absehbarer Zukunft selber Führung zu übernehmen (46%).

 

Mediziner haben andere Kriterien bei der Arbeitgeberwahl. Oberste Priorität hat, dass zukünftige Ausbildungen bezahlt werden (61% der jungen Mediziner finden dies wichtig) sowie dass generell in professionelles Training und Entwicklung von Mitarbeitern investiert wird (51%). Auch wichtig ist Respekt (51%) für seine Mitarbeiter sowie ein freundliches Arbeitsumfeld (51%). Dass ein Arbeitgeber Prestige ausstrahlt ist 31% der männlichen Medizinstudenten wichtig, jedoch nur 11% der Medizinstudentinnen.  Ein weiterer grosser Unterschied zwischen den Geschlechtern findet sich dabei, dass sich 47% der Männer Anerkennung ihrer Leistung vom Arbeitgeber wünschen, bei Medizinstudentinnen sind es nur 32%.

 

Schweizer Firmen beliebt

Über 50% der Top 10 Firmen sind Schweizer Firmen (UBS, Nestlé, Credit Suisse, Swiss, Rolex). Betrachtet man die Top 20, sind weitere Schweizer Firmen darunter (zusätzlich: Migros und SBB). Die Bundesverwaltung und FIFA sind dieses Jahr aus den Top 20 gefallen.

 

Die Basler Versicherung ist neu in den Top 100 der Wirtschaftsstudenten. Seit 4 Jahren sind diese konstant im Wirtschaftsranking gestiegen: (2015: Platz 119 / 2016: Platz 110 / 2017: Platz 99 / 2018: Platz 90). Baloise hat seit mehreren Jahren sehr in deren Arbeitgebermarke investiert: Mitarbeitervideos, Bewerbungstipps für Studenten, Ratgeber für Interviews, haben einen super Blog und fahren eine Social Media Strategie.

 

Credit Suisse hat viel um das Thema Diversity und Arbeitgeber-Attraktivität bei Frauen gemacht. Das hat wohl zu mehr Visibilität geführt. Dieses Jahr sind Sie von Platz 5 auf Platz 4 gestiegen bei den Wirtschaftsstudenten. Um in den hohen Rängen Plätze dazu zu gewinnen, braucht es viel. Denn die Abstände zwischen den einzelnen Firmen sind gross. Ein Blick auf die separaten Rankings von Frauen+Männern zeigt: bei Wirtschaftsstudentinnen ist Credit Suisse um 12 Ränge gestiegen im Vergleich zu letztem Jahr.

 

Neue Direkteinsteiger in die Top 30 der Business Rankings sind unter anderem: Four Seasons Hotels and Resorts (#25), Bank Julius Bär (#26), IKRK (#27) sowie Flughafen Zürich (#28).

 

Gemäss Leo Marty, Managing Director Universum Schweiz und Österreich bleiben konservative Firmen bei den Rankings auf der Strecke. «Denn sie lassen sich nicht wirklich auf Ihre jungen Talente ein, setzen sich nicht damit auseinander was jene möchten. So wird ihr Image nur von ausgeschriebenen Stellen und ihrem vorhandenen Brand geprägt. Die Rankings spiegeln die Bemühungen von Unternehmen wieder, interessante Möglichkeiten für aktuelle und zukünftige Talente zu bieten.»

 

Google

Bei Business und IT verteidigt Google erfolgreich die Position #1 und dies mit beachtlichem Abstand zu den 2. Positionen. Bei den Ingenieuren hat ABB Google letztes Jahr von der Spitze vertrieben und konnte sich halten. «Man vergisst leicht, dass Google eine erst 20-jährige Firma ist. Google's Wachstum und Erfolg ist jedoch eng mit deren Fokus auf das Anziehen und Halten der weltweit besten und innovativsten Talente eng verknüpft.», kommentiert Marty. 

 

Auch junge Ingenieure möchten zu Schweizer Firmen

Auch bei den Ingenieuren sind in den Top 10 die Hälfte Schweizer Firmen: ABB, CERN, SBB, Ruag, Pilatus Aircraft. In den Top 20 kommen weitere hinzu, wie: Rolex, Nestlé, Roche, Flughafen Zürich.

 

Bühler hat bei den Ingenieuren 5 Plätze dazugewonnen und befindet sich nun auf Platz 35. Das Familienunternehmen verkörpert Tradition und eine gesunde Unternehmensgrösse. Bühler wird auch für die breite Palette von Produkten geschätzt. Das Unternehmen war eines der wenigen, welches keine Arbeitsplätze gestrichen hat während der industriellen Krise.

 

Pharma und Versicherungen top bei Informatikern

Versicherungen und Pharma holen hier auf: Axa Winterthur (+29), Baloise Group (+29), Bayer (+24), Biogen (+14). Das Thema «Flexwork» zahlt sich aus bei der Axa. Sie haben bei den begehrten Informatikern ganze 29 Plätze dazugewonnen im Vergleich zu letztem Jahr und befinden sich jetzt auf Platz 46 und somit in den Top 50.

 

Weitere Informationen und Infografiken: http://bit.ly/2pnYxGd


Universum Communications



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