Mittwoch, 24. Januar 2018 | 12:30

Kommt es bei Stellenwechseln zu Altersdiskriminierung?

Der Anteil an Arbeitnehmenden über 50 steigt kontinuierlich.

Mit der Studie «Segment 50plus» wurden die Wünsche und Bedürfnisse der älteren Arbeitnehmenden in Bezug auf die berufliche Zukunft abgeholt. Photo by <a href="http://foter.com/author/a84fbe">INSM</a> on <a href="http://foter.com/re/d31fbd">Foter.com</a> / <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0/">CC BY-ND</a>
Mit der Studie «Segment 50plus» wurden die Wünsche und Bedürfnisse der älteren Arbeitnehmenden in Bezug auf die berufliche Zukunft abgeholt. Photo by INSM on Foter.com / CC BY-ND

Gleichzeitig wird immer wieder die Erhöhung des Rentenalters diskutiert, was diesen Trend zusätzlich vorantreibt. Es besteht bisher allerdings wenig Transparenz bezüglich der Wünsche, Bedürfnisse und Ängste der älteren Mitarbeitenden. Eine Studie der Beraterfirma Tamandua und der ZHAW hat ergeben, dass drei von vier älteren Arbeitnehmenden davon ausgehen, dass es bei einem Stellenwechsel zu Altersdiskriminierung kommt. 

 

Mit der Studie «Segment 50plus» wurden die Wünsche und Bedürfnisse der älteren Arbeitnehmenden in Bezug auf die berufliche Zukunft abgeholt. Im November 2017 wurden in der Deutsch- und Westschweiz rund 500 Berufstätige zwischen 50 und 65 Jahren befragt. Die Fragen beziehen sich auf die aktuelle berufliche Zukunft im Unternehmen und die anstehende Pension. 

 

Die Studie zeigt auf, dass 77 Prozent der Befragten bei beruflichen Neuorientierungen eine Altersdiskriminierung erwarten. Die «Alten» in der Schweiz sind zwar mehrheitlich berufstätig, fühlen sich aber nicht genügend unterstützt dabei, nochmals eine neue Herausforderung anzunehmen oder sich neu auszurichten. Gerade das wäre aber essenziell, nicht zuletzt im Hinblick auf die Digitalisierung und die sich verändernden Kompetenzprofile. «Hier sind die Führungskräfte in die Verantwortung zu nehmen. Eine Neuorientierung kann dazu beitragen, dass eine lebenslange Arbeitsmarktfähigkeit erhalten bleibt», so Dr. Claudia Sidler-Brand, Dozentin an der ZHAW. 

 

Regenbogenkarrieren sind oft unbeliebt 

Es gibt internationale Unternehmen, die älteren Mitarbeitenden sogenannte Regenbogenkarrieren anbieten. Das Arbeitspensum kann reduziert und Verantwortung abgegeben werden. Personalverantwortliche sprechen von einer Win-win-Situation, weil sich für die Arbeitnehmenden die Work-Life-Balance erhöhe. Eine Idee, die zwar in der Theorie sinnvoll und richtig ist, in der Praxis bei den Mitarbeitenden aber leider häufig unbeliebt ist: Nicht einmal ein Viertel der Direktbetroffenen findet diese Karriereform spannend und ansprechend. 

 

«Weiterbildungen - auch für ältere Mitarbeitende - sind extrem gefragt. Lebenslanges Lernen wird immer wichtiger», erklärt Alexander Locher, Geschäftsführer bei Tamandua. Es sei aber auch wichtig, dass man offen und flexibel sei für unkonventionelle Lösungen wie ein Verantwortungs-Sharing mit jüngeren Mitarbeitenden. «Die klassische Karriere, wie sie unsere Eltern und Grosseltern kannten, gibt es heute nicht mehr.» 

 

Der Dialog muss gestärkt werden 

«Wir sehen gute Lösungen von Arbeitgeberseite», ergänzt Locher. «Wir sehen aber auch, dass Arbeitnehmende noch nicht zufrieden sind mit diesen Lösungen. Der Dialog zwischen den beiden Parteien muss also unbedingt gestärkt werden.» Beide Seiten müssten einen Schritt aufeinander zugehen - sich gegenseitig den «Schwarzen Peter» zuzuschieben, sei weder richtig noch hilfreich. Tamandua berät Firmen dabei, ihren Mitarbeitenden die Attraktivität von Bogenkarrieren zu vermitteln. «Nur so können Unternehmen auch Lösungen anbieten, die wirklich den Bedürfnissen der älteren Mitarbeiter entsprechen» so Sidler-Brand. Das Zentrum für Human Capital Management an der ZHAW School of Management and Law nimmt diese Studie zum Anlass, um sich in der Forschung vertieft mit dem Thema zu befassen. 


Tamandua / ZHAW School of Management and Law



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