Donnerstag, 15. Februar 2018 | 15:02

Social Impact Bonds in der Schweiz

Social Impact Bonds - kurz: SIBs - sind neuartige Finanzierungsinstrumente, bei denen die Vergabe öffentlicher Mittel an die Wirkung bzw. den Erfolg sozialer Massnahmen geknüpft wird.

In der aktuellen Publikation von BHP - Brugger und Partner AG und seif - Driving Social Innovation werden die wichtigsten Elemente praxistauglicher SIBs zusammengefasst.
In der aktuellen Publikation von BHP - Brugger und Partner AG und seif - Driving Social Innovation werden die wichtigsten Elemente praxistauglicher SIBs zusammengefasst.

Erstmals liegt nun ein deutschsprachiger Leitfaden für die Praxis vor. Die im Januar von BHP - Brugger und Partner AG und seif - Driving Social Innovation veröffentlichte Publikation fasst die wichtigsten Punkte zu Social Impact Bonds für die Praxis zusammen.

 

Social Impact Bonds (SIBs) ermöglichen es, neuartige Ansätze zur Lösung von sozialen bzw. gesellschaftlichen Problemen mit Hilfe von privaten Investorinnen und Investoren zu testen. Konkret werden soziale Massnahmen von Privaten vorfinanziert; die Rückzahlung und Verzinsung durch den Staat erfolgt abhängig davon, wie erfolgreich die Massnahme war. Das Ziel dieser Kooperation ist, soziale Probleme durch präventive Massnahmen zu lindern bzw. diesen vorzubeugen. Mit diesem Ansatz sollen die Ausgaben von «kurativen» Massnahmen der öffentlichen Hand reduziert werden.

 

In der aktuellen Publikation von BHP - Brugger und Partner AG und seif - Driving Social Innovation werden die wichtigsten Elemente praxistauglicher SIBs zusammengefasst. Welches sind die positiven Erfahrungen, aber auch die Herausforderungen einer Umsetzung im europäischen Umfeld? In welchen Themenbereichen bieten sich SIBs besonders an? Was sind die Rollen der verschiedenen Akteure und wie müssen die Prozesse aufgesetzt werden, damit ein Projekt erfolgreich gestartet und umgesetzt werden kann? Der Leitfaden vermittelt «Best Practice» Beispiele, welche als Anregung für die Gestaltung eines SIBs im schweizerischen Kontext dienen können, lässt aber auch kritische Stimmen zu Wort kommen und stellt die Frage nach zukünftigen Entwicklungen. Die Autorinnen des Leitfadens, Prof. Mariana Christen Jakob und Andrea Gäumann, möchten damit das Thema SIB auch in der Schweiz aufbringen und hoffen, mit dem Leitfaden eine inspirierende und konstruktive Diskussion anzustossen.

 

Der erste Social Impact Bond wurde 2010 in England vergeben mit dem Ziel, ehemalige Strafgefangene gesellschaftlich zu integrieren. Das Projekt fand grosse Beachtung und löste global eine Reihe weiterer SIBs aus. Bis Mitte 2016 wurden insgesamt 60 SIB-Projekte in weltweit 15 Ländern ins Leben gerufen, mit Schwerpunkt im angloamerikanischen Raum. Auch in der Schweiz läuft seit 2015 ein SIB: In einem Pilotprojekt überträgt der Kanton Bern der Caritas die Aufgabe, anerkannte Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene langfristig in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Private Investoren finanzieren dabei die Dienstleistung der öffentlichen Hand vor.

 

Jane Newman, Internationale Direktorin von Social Finance UK und ausgewiesene Expertin im Bereich Impact Investing, bringt im Leitfaden die Anwendungsmöglichkeiten für SIBs so auf den Punkt: «SIBs sind dann angesagt, wenn es grössere Unsicherheiten in der Problemlösung gibt, wenn man neue Wege gehen möchte oder wenn man in einer sehr frühen Phase in die Problemlösung einsteigen möchte, beispielsweise in der Prävention. Geeignet ist eine Ausgangssituation in der man eine Idee hat, was eine gute Lösung sein könnte, dieser Weg aber noch nie ausprobiert worden ist.»

 

Gena Da Rui, Werner Riedweg und Jürgen Stremlow von der Hochschule Luzern fassen für den Leitfaden das Potenzial von SIBs in der Schweiz so zusammen: «Als Chance sehen wir, dass Kantone und Gemeinden die Möglichkeit haben, autonom neue Modelle zu entwickeln und umzusetzen, sofern die Gesetzgebung dies zulässt. Als Hindernisse könnten sich allerdings die hierzulande teilweise sehr komplexen Kompetenzüberlagerungen zwischen Bund, Kantonen und Gemeinden sowie das Subsidiaritätsprinzip herausstellen.»


BHP - Brugger und Partner AG



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