Freitag, 14. September 2018 | 11:42

Topp-Tipps für Unternehmen und Global Mobility Manager zur Vorbereitung auf den Brexit

Seit die Bürger in Grossbritannien per Referendum entschieden haben, die Europäische Union zu verlassen, interessiert man sich vor allem für die wirtschaftlichen Auswirkungen und die politische Zukunft.

Wie bereiten sich die Unternehmen nun vor?
Wie bereiten sich die Unternehmen nun vor?

Wie sollten sich international operierende Unternehmen darauf vorbereiten? 

 

Crown World Mobility suchte nach Antworten und befragte dazu 2.505 Fachkräfte in Deutschland, Irland und in den Niederlanden sowie 1.013 Personen in Grossbritannien. Die befragten Teilnehmer sind Mitarbeiter in Unternehmen mit Auslandsentsendungen, d. h. Personen, deren Arbeitsleben durch den Brexit am stärksten beeinflusst werden könnte. Die Antworten dieser bisher ungehörten Stimmen sind wichtig, da sie internationale Unternehmen und Global Mobility Manager dabei unterstützen könnten, Strategien für die bevorstehenden Änderungen zu entwickeln.

 

Hier ein paar wichtige Zahlen:

 

  • Mehr als die Hälfte der Befragten in jedem Land (56 Prozent im Vereinigten Königreich, 57 Prozent in Deutschland, 51 Prozent in den Niederlanden und 55 Prozent in Irland) glauben, dass der Brexit der EU schadet.
  • Fast ebenso viele denken, er sei schlecht für das Auslandsgeschäft: 54 Prozent im Vereinigten Königreich, 57 Prozent in Deutschland, 48 Prozent in den Niederlanden und 65 Prozent in Irland.
  • Arbeitnehmer in Deutschland, den Niederlanden und Irland fürchten, dass es zukünftig schwerer und teurer wird, im Vereinigten Königreich zu arbeiten, im Durchschnitt 42 Prozent.

 

Wie bereiten sich die Unternehmen nun vor?

Am häufigsten wurden Budgetänderungen zur Deckung der Zusatzkosten genannt sowie die Ausbildung lokaler Mitarbeiter zur Vermeidung von Entsendungen aus dem Vereinigten Königreich. Dies zeigt einen Trend. Die Global Mobility-Programme entwickeln sich schon länger unter dem Einfluss kultureller, politischer und technologischer Änderungen sowie eines im ständigen Wandel begriffenen Sicherheitsbildes. Jetzt, wo sich das Verhältnis des Vereinigten Königreichs zur Welt ändert, sind eventuell weitere Anpassungen nötig.

 

Das Vereinigte Königreich war immer eine der beliebtesten Destinationen für internationale Entsendungen und schickt umgekehrt traditionell viele seiner Talente zum Arbeiten ins Ausland. Die Ängste der Europäer im Hinblick auf die Kosten und Schwierigkeiten globaler Mitarbeiterentsendungen kann man jedoch nicht einfach ignorieren.

 

Was also sollen die Unternehmen tun, während wir auf den Brexit warten? Dies ist eine schwierige Frage, da die Ergebnisse so unklar sind und die Details der zukünftigen Handelsbeziehung noch immer verhandelt werden. 

 

Trotzdem gibt es einiges, was Unternehmen tun können:

  • Die Überprüfung aller Expatriate-Positionen im Vereinigten Königreich, einschliesslich Notfallplanung.
  • Die Überprüfung der Endtermine aller Einsätze im Vereinigten Königreich, gemeinsame Vorausplanung mit dem Unternehmen im Hinblick auf die Neubesetzung oder Verlagerung dieser Positionen.
  • Pläne im Hinblick auf eine mögliche Verringerung der Einsätze im Vereinigten Königreich.
  • Bedenken Sie, dass dies zu einem Anstieg der Kurzzeiteinsätze und Geschäftsreisen führen könnte.
  • Stellen Sie sich darauf ein, dass das Thema Zuwanderung weit mehr in den Vordergrund rücken wird; Global Mobility-Teams sollten sich fachlich darauf vorbereiten, um ihr Unternehmen entsprechend beraten zu können.

 

Letztlich hängen die Auswirkungen des Brexit auf Europa davon ab, auf welches Modell man sich schliesslich einigt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass keine Planung möglich ist. Sollte das Vereinigte Königreich für die meisten europäischen Ländern weiterhin als Markt und Zielland bedeutsam sein  - und dies geht aus den Ergebnissen der Untersuchung eindeutig hervor - wird man auch zukünftig zusammenarbeiten wollen.

 

Ein harter Brexit würde die Pflege der laufenden Beziehungen sicher erschweren, aber die Unternehmen werden mögliche Geschäftsschancen immer zu nutzen wissen. Dies bedeutet natürlich nicht, dass sich nichts ändern wird. Neue Technologien, politischer und sozialer Wandel und auch der weltweit drohende Terrorismus nehmen bereits Einfluss auf die Globale Mitarbeitermobilität, sodass ihr voraussichtlich auch der Brexit eine neue Richtung weisen wird.

 

Mögliche Änderungen:


  • Die Abwanderung von Fachkräften aus dem Vereinigten Königreich: falls die qualifizierten Arbeitskräfte im Land dauerhafte statt vorübergehender Einsätze anstreben.
  • Kostengünstige Entsendungen: Je schwerer und teurer es ist, den Einsatzort von Mitarbeitern zu verlegen, desto mehr werden die Unternehmen den Wert teurer Entsendungen in Frage stellen.  Man sollte sich also auf Kosteneinsparungen einstellen. Diese können sich als kurz- oder langfristige Transfers oder sogenannte «Backpack Moves» auswirken, bei denen der entsandte Mitarbeiter den Grossteil der Organisation selbst übernimmt.
  • Stärkere Nachfolgeplanung: Verwaltungsaufwand und gestiegene Kosten können dazu führen, dass die Unternehmen ihre Nachfolgeplanung verstärken, um sicherzustellen, dass die richtigen Mitarbeiter zum richtigen Zeitpunkt in ihrer Laufbahn ins Ausland gehen. 
  • Ausbildung: Es ist zu erwarten, dass sowohl im Vereinigten Königreich als auch im übrigen Europa mehr lokale Talente entwickelt werden. Die statistischen Ergebnisse der Crown World Mobility Brexit-Umfrage zeigen, dass viele Unternehmen mit diesem Prozess bereits begonnen oder ihn wenigstens in die nächste Budgetplanung einbezogen haben.

 

Diese Änderungen sind einschneidend, wenige jedoch gehen allein auf den Brexit zurück. Die USA und Australien haben im letzten Jahr eine protektionistische Politik verfolgt, mit sich fast wöchentlich ändernden Zuwanderungsbedingungen - und die Global Mobility hat stets reagiert und sich entsprechend angepasst.

 

Der Trend im Ausland neue Erfahrungen und Entwicklungsmöglichkeiten zu suchen ist nach wie vor ungebrochen, vielleicht nicht zuletzt deshalb, weil jüngere Generationen den Wunsch haben, zu reisen und Neues auszuprobieren. Entsprechend wird sich nach einer Anpassungsphase bald wieder Routine einstellen und auch zukünftig wird es zweifellos globale Mitarbeiterbewegungen geben. 


Crown World Mobility



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