Donnerstag, 30. November 2017 | 15:25

Umfrage: Das müssen Bankangestellte morgen können

Bankmitarbeiter, die weiterkommen wollen, müssen heute Fintech verstehen, in der Compliance sattelfest sein und über Vorsorgethemen Bescheid wissen, wie die neuste Umfrage zu den Berufsaussichten in der Schweizer Finanzbranche zeigt. Die permanente Weiterbildung erhält dadurch immer mehr Gewicht.

Weiterbildung ausserhalb der Arbeitszeit
Weiterbildung ausserhalb der Arbeitszeit

Mit dem tiefgreifenden Wandel in der Finanzbranche verändern sich die Anforderungen an die Bankangestellten. Waren früher vor allem Anlageempfehlungen und ein umfassendes Fachwissen gefragt, so sind es heute andere Fähigkeiten, die einen kompetenten Bankmitarbeiter auszeichnen.

 

Zum Beispiel IT-Kompetenz, verbunden mit dem ganzen Know-how der Digitalisierung (von 79,4 Prozent der Befragten genannt), aber auch Offenheit für Veränderungen im Job (68,5 Prozent), die Bereitschaft, sich permanent weiterzubilden (55,3 Prozent) und spezialisiertes Wissen über bestimmte Kundengruppen und Märkte (54,9 Prozent).

 

Löhne und Boni im Sinkflug

Das sind Erkenntnisse aus der 6. Online-Befragung zu den Berufsaussichten in der Schweizer Finanzbranche. Die repräsentative Erhebung bei rund 450 Personen führten das Branchenportal finews.ch, die Schweizer Kommunikationsagentur Communicators sowie das Swiss Finance Institute (SFI) im vergangenen Monat durch.

 

Diese Merkmale sind ausschlaggebend, um Karriere zu machen. Denn gemäss Umfrageteilnehmern wird die Bankbranche tendenziell nochmals an Ansehen verlieren, die Löhne und Boni dürften mehrheitlich weiter sinken, während die Aus- und Weiterbildung im Gegenzug umso mehr noch an Bedeutung gewinnt.

 

Weiterbildung unentbehrlich

Für das vergangene Jahr haben 43,3 Prozent der Befragten entweder einen tieferen Bonus als zwölf Monate zuvor oder gar keinen erhalten. Darum erstaunt es auch nicht, dass eine deutliche Mehrheit der Umfrageteilnehmer von weiter sinkenden Gehältern und Boni in den nächsten fünf Jahren ausgeht. Diese eingetrübten Aussichten gehen Hand in Hand mit der Erwartung zahlreicher Bankangestellten (76,2 Prozent), dass das Stellenangebot in den nächsten Jahren weiter zurückgeht.

 

Deshalb dürfte der Prestigewert der Finanzberufe nochmals abnehmen, wie 49,9 Prozent der Befragten der Überzeugung sind. Allerdings wissen mittlerweile sehr viele Bankangestellte, dass die permanente Weiterbildung unentbehrlich ist, um im Beruf zu bestehen oder aufzusteigen.

 

Nichts geht mehr ohne Fintech

Bankangestellte von morgen sollten vor allem auf drei Gebieten sattelfest sein: nämlich in der Informatik, wozu auch das Thema Fintech gehört, wie 79,1 Prozent der Umfrageteilnehmer erklärten, im Compliance-Management (58,7 Prozent) sowie in Themen, die sich um die Altersvorsorge und Pensionierung (46 Prozent) drehen.

 

Wie aus der Erhebung weiter hervorgeht, werden heute kostengünstigere Formen des «Distance Learning» und Online-Lehrgänge vermehrt nachgefragt (58,5 Prozent), wenn auch eigentlich nur ungern in Kauf genommen (15 Prozent).

 

Weiterbildung ausserhalb der Arbeitszeit

Zwar sind sich die Entscheidungsträger in der Finanzbranche mehrheitlich (50,1 Prozent) bewusst, dass qualifizierte Mitarbeiter heutzutage besonders wichtig sind. Die arbeitgeberseitigen Beiträge an die Kosten externer Weiterbildungen scheinen aber zu sinken (54 Prozent), während die Weiterbildung ausserhalb der Arbeitszeit zunehmend die Realität ist (50,1 Prozent). Dabei bevorzugen die Bankangestellten themenspezifische Seminare (44,7 Prozent) und bilden sich auf informellem Weg über öffentliche Referate und Konferenzen weiter (41,5 Prozent).

 

Die grössten Karrierechancen sehen Bankangestellte heute vor allem in folgenden Geschäftsfeldern: Informatik (67,4 Prozent), Legal & Compliance (65,8 Prozent), Alternative Anlagen sowie Asset Management (beide 32,7 Prozent). Geringe Karrierechancen vermuten die Befragten hingegen im Backoffice/Abwicklung (76,9 Prozent), im Retailbanking (55,6 Prozent) sowie im Investmentbanking (44,4 Prozent).

 

Aussichten intakt

Insgesamt erachten zwar nur noch 2 Prozent der Umfrageteilnehmer die Berufsaussichten in der Schweizer Finanzbranche als «sehr gut». Im Vergleich zum letzten Jahr beurteilen nun aber 39 Prozent (im Vorjahr: 30 Prozent) die Aussichten als «intakt». Unter diesen Prämissen empfehlen gut 50 Prozent der befragten Bankangestellten einem Studien- oder Schulabgänger nach wie vor, in die Finanzbranche einzusteigen.

 

An der Erhebung beteiligten sich 441 Personen, davon 84 Prozent Männer und 16 Prozent Frauen. Davon waren 8 Prozent zwischen 20 und 30 Jahre alt, 41 Prozent zwischen 30 und 45 Jahre alt, 46 Prozent zwischen 45 und 60 Jahre sowie 5 Prozent über 60 Jahre. Rund 30 Prozent der Befragten verfügen über einen Masterabschluss von einer Universität und ebenfalls 14 Prozent über einen Master einer Fachhochschule. Knapp 17 Prozent haben eine Eidg. Höhere Fachprüfung. Die Umfrage wird jährlich durchgeführt


Communicators



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